Eine andere Harzreise

Lyrische Welle?
Aber abseits, wer ist’s?
Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad,
Hinter ihm schlagen
Die Sträucher zusammen,
Das Gras steht wieder auf,
Die Öde verschlingt ihn.
Schnecken, engerlinge, Kaninchen,
Lößcreme im Teller,
Fandango.
Am Cigarrenschlepp
die mystische Rose Havanna,
Warzen, Kanülen,
Salpeter und Zimt.
Citronenschwimmer, Karyatiden und Atlanten.

Im eigenen Schatten

Wenn der Bruder des Schlafes
nahe an dir vorbeigeht,
und deine träumenden Schritte
auf gewendelte Stufen schlagen,
hörst du in der Spirale
die Rätsche des Karfreitags.

Manchmal aber ist er dein Nachbar,
der in deiner Nähe singt,
so daß du dich umsiehst - nach ihm,
wie er von der breiten Estrade
aus einem silbernen Horn
Wein in deine Muscheln gießt.

Manchmal, wenn in blühenden Gärten
ein Schmetterling dich umspielt,
wirst du mit Schleiern behangen
und auf Händen weit fortgetragen,
mit dem bunten Schmetterling -
vorbei an seinem Schatten.

Ringelspiel

Tabernakel des Vormittags,
meine Pagode aus Holz.
Ein Ringelspiel im Kirschgarten:
Schnaps wird von Liegestuhl zu Liegestuhl gereicht.
»Ich bin ein Idiot«, sagt einer und fällt um,
die eckige Tochter tanzt schon fleißig mit,
will erwachsen werden und alles nachmachen.
Der graue Greis mit der geschmeidigen Frau,
im Arm den Bogen angeschlagen, tanzt mit,
will jung werden und alles weitermachen...
Da kommt mir dieses enervierende Instrument in den Sinn,
die Fiedel der Bubenjahre und die Ersatzfiedel meiner Mutter.
(Nicht lustig ist das, sondern so banal wie die Banane.)
Etwas Geld in der Tasche kaufe ich mir ein Karussell,
schlafe mit ihm und putze es, schniegle es, wienere es,
drehe am zwiebeltürmigen Knopf und klappe die Türen zu.

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